Die demokratische Zukunft begann mit einem Fehlstart. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 empfand ein Großteil der Deutschen die neue Republik als von den Siegern aufgezwungene Kriegsfolge. Der wirtschaftliche Niedergang in den folgenden Jahren verstärkte die Ablehnung noch. Viele sehnten sich zurück ins Kaiserreich.

Im Herbst 1918 ist der Erste Weltkrieg militärisch bereits verloren. Trotzdem soll die Kaiserliche Flotte noch einmal auslaufen - zu einer Schlacht gegen England. Doch die Matrosen wollen sich nicht opfern lassen. Am 1. November treten sie in Streik. Soldaten schließen sich an. Aus Meuterei wird Revolution: Am 9. November erzwingt ein landesweiter Generalstreik die Abdankung des Kaisers, der nach Holland ins Exil geht. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann tritt an ein Fenster des Berliner Reichstags und ruft die Republik aus.
In der Goethe- und Schiller-Stadt Weimar tritt 1919 die deutsche Nationalversammlung zusammen, die eine demokratische Verfassung für das Deutsche Reich beschließt. Berlin erscheint den Politikern angesichts revolutionärer Unruhen als zu unsicher. Die Weimarer Verfassung macht das Deutsche Reich zu einer parlamentarischen Demokratie, an deren Spitze der Reichspräsident steht. Regierungschef ist der Reichskanzler.

Die "Weimarer Republik" steht von Anfang an im Zeichen erbitterter politischer Konflikte. Zwei Stunden nach SPD-Mann Scheidemann ruft auch der Sozialist Karl Liebknecht noch einmal die Republik aus - diesmal als Sowjetstaat nach dem Vorbild Lenins. Es kommt zu ersten Straßenkämpfen, schließlich zum "Spartakusaufstand" gegen die SPD-dominierte Reichsregierung. Rechte Freikorps schlagen den kommunistischen Aufstand nieder, die Anführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden ermordet.
Nicht die Truppe im Felde sei schuld am verlorenen Krieg, sondern die Heimat habe aufgrund der Belastungen den verräterischen Dolchstoß in den Rücken des siegenden Heeres geführt - das erklärte Wehrmachtsgeneral Erich Ludendorff nach Kriegsende. Die neuen SPD-Minister übernahmen Verantwortung für eine Entwicklung, die die Militärs und der Kaiser in Gang gesetzt hatten. Doch Ludendorff wies ihnen die Schuld zu: "Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muß. Sie sollen die Suppe jetzt essen, die sie uns eingebrockt haben!"

Während die junge Demokratie versucht, sich zu etablieren, arbeiten Deutschlands Kriegsgegner einen Friedensvertrag aus. Deutschland muß seine Kolonien, Elsaß-Lothringen und Ostgebiete abtreten, die Reichswehr drastisch verkleinern, die Alleinschuld am Krieg anerkennen und hohe Reparationszahlungen leisten. Philipp Scheidemann, inzwischen Kanzler, lehnt den Vertrag ab und tritt zurück. Um die Besetzung Deutschlands zu vermeiden, läßt der neue Kanzler Gustav Bauer den Vertrag unterzeichnen.
Fünf Jahre nach Kriegsende ist Deutschland mit der Zahlung von Kriegsschulden im Rückstand. Frankreich besetzt das Ruhrgebiet. Die Arbeiter antworten mit Streik: "Passiver Widerstand", unterstützt und finanziert von der Reichsregierung. Um Streik und Kriegsschulden zu finanzieren, lässt die Regierung immer mehr Geld drucken. Die Inflation grassiert: Im November 1923 ist ein US-Dollar soviel wert wie 4,2 Billionen Mark. Lebensersparnisse lösen sich in Nichts auf.
Nährboden für Demagogen - von rechts und links. Einer der erfolgreichsten Hetzer ist der Chef der NSDAP: Adolf Hitler. Am 8. November 1923 putscht er mit 3000 Bewaffneten gegen die Staatsmacht in München und Berlin. Der Aufstand scheitert. Doch das Fiasko macht Hitler im ganzen Land bekannt.

Mitte November 1923 wird parallel zur wertlosen Mark die "Rentenmark" als Währungsmittel eingeführt. Als Deckung dient das Grundvermögen von Landwirtschaft und Industrie. Die Rentenmark wird rasch akzeptiert, die Inflation endet. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kommt der Fortschritt. In Sachen Technik und Forschung gehört Deutschland zu den innovativsten Nationen der Welt. Berlin blüht auf, wächst zur drittgrößten Stadt der Erde heran - nach London und New York. Die Bilanz der Weimarer Republik ist positiv.
Bis zum Oktober 1929. Am "schwarzen Freitag" brechen weltweit die Aktienkurse ein. Es ist der Beginn der schwersten Wirtschaftskrise des Jahrhunderts. Besonders heftig trifft der Crash die deutsche Wirtschaft. Amerikanische Firmen ziehen Investitionen und Kredite in Milliardenhöhe zurück. Deutsche Betriebe brechen zusammen. Im Winter 1929 gibt es schon mehr als drei Millionen Arbeitslose.
Stattdessen regiert in Deutschland wieder die Gewalt. Die Parteien rüsten paramilitärisch auf: Reichsbanner, Stahlhelm und Rotfrontkämpfer heißen ihre Schlägertrupps. Die NSDAP unterhält SA und SS. Der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning wird neuer Kanzler. Eine Mehrheit im Reichstag hat er nicht, er regiert mit Notverordnungen. Die sollen die marode Wirtschaft in Gang bringen - durch höhere Steuern und Sozialabbau.
1931 gilt Deutschland international als zahlungsunfähig. Im Sommer 1932 reduzieren die Kriegsgegner ihre unerfüllbaren Reparationsforderungen auf drei Milliarden Goldmark. Die Entlastung kommt zu spät für die glücklose Republik: Kommunisten und Nationalsozialisten sind bei jeder der zahlreichen vorgezogenen Reichstagswahlen stärker geworden. Im Juli 1932 wird die NSDAP mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Partei im Reichstag. Ein halbes Jahr später ist Hitler an der Macht.