"Gegen Ende wollte er Heilendes tun", schrieb ein berühmter Historiker über Albrecht von Wallenstein. Erkannte er im Angesicht des wachsenden Elends den Fluch der eigenen Tat?
Eigenmächtig beginnt der kriegsmüde Feldherr mit den protestantischen Mächten zu verhandeln. "Man lasse mich machen", soll er gesagt haben. Wallenstein schickt Sendschreiben in die gegnerischen Lager. Doch über seine genauen Pläne ist außer Gerüchten und Spekulationen kein einziges Schriftstück erhalten geblieben.
Wer die Armee in seinen Händen habe, könne den Frieden diktieren, soll er einem schwedischen Gesandten gesagt haben. Will sich der große Condottiere am Ende mit dem Feind verbünden und mit der Schlagkraft der vereinten Armeen den Kaiser entmachten? Will er sein Heer als Druckmittel nutzen, um König von Böhmen zu werden? Man fürchtet seine militärische Macht, doch inwieweit kann Wallenstein auf sein gewaltiges Heer überhaupt noch setzen?
In dem verheerten Land finden die "fressenden Kolosse" aus Abertausenden von Soldaten kaum noch Proviant. Die Suche nach Nahrung bestimmt den Verlauf ganzer Feldzüge. Wie Furien des Hungers vagabundieren die Trosse durch das einst blühende Reich. Den stolzen Landsknechten der ersten Kriegsjahre gleichen die verwahrlosten Lohnsoldaten längst nicht mehr. Viele kommen nie ins Gefecht und sterben doch elendig an Hunger und Entbehrung. Der Traum vom Aufstieg im "Unternehmen Krieg" ist längst zerronnen - es geht nur noch ums nackte Überleben.
Unter den Söldnern blüht der Aberglaube. Die Männer wollen sich "fest" oder "gefroren" machen - wie es im Lager-Jargon heißt - unverwundbar sein. Sie stecken sich Bleikugeln mit eingeritzten Kreuzen oder gebrauchte Henkerstricke in den Wams - letzter Halt in einer haltlosen Welt. Gewalt regiert ihren Alltag, mancher möchte fliehen. Es ist ein Krieg, in dem sie "das Weiße im Auge des Gegners erblicken". Für die einfachen Soldaten ist das Ende allgegenwärtig - jeden Tag kann das Schicksal sie treffen.
Werden die Soldaten verletzt, müssen sie bestialische Schmerzen aushalten. An schnell wirkende Schmerzmittel und hygienische Operationssäle ist nicht zu denken. Die Operationsmethoden der Feldchirurgen muten uns heute barbarisch an. Nicht nur die Entfernung von Kugeln, sogar Amputationen müssen die Verwundeten ohne Narkose aushalten. Mit glühenden Eisen oder siedendem Öl brennen die Feldchirurgen die Wunden der Schussverletzten aus - eine todbringende Prozedur, die vermeintliche Vergiftungen durch Pulver und Blei kurieren sollte.
"Ein Söldner im Dreißigjährigen Krieg hat eine Amputation des Beines oder des Armes sicher genauso wenig ausgehalten, wie wir das heute können. Der Schmerz muss so erheblich gewesen sein, dass das Schock-Erlebnis ihm das Bewusstsein raubte, er wurde bewusstlos, und ab diesem Stadium hat er von den Schmerzen kaum noch was gemerkt, beziehungsweise gar nichts mehr gemerkt. Es gab Versuche, wenn es denn möglich war, ihm den Schmerz etwas zu erleichtern, das probateste Mittel war ein halbe Flasche Branntwein und ein Stück Leder zwischen die Zähne."
Um Geschosse im Körper der Verwundeten aufzuspüren, benutzte man Kugelzangen. Beim Einsatz der Zangen brachten die Könner ihrer Zunft den Patienten in jene Haltung, die er im Augenblick seiner Verwundung innehatte. So war es leichter, dem Schusskanal zu folgen, zur Kugel vorzudringen und sie langsam aus dem Gewebe herauszuschrauben. Das Ausbrennen der Wunden führte fast immer zu heftigen Entzündungen und Fieber. Die heilende Wirkung, die man dem Brenneisen zuschrieb, war ein fataler Irrglaube. In den Brandwunden vermehrten sich Keime, die lebensgefährliche Infektionen verursachten.